Ahrem

Der Ort wird 1256 in einer Urkunde des Erzbischofs von Köln erstmals als „Airnhem“ erwähnt. Dass Ahrem aber älter ist, lässt sich aus dem Namen schließen, der auf eine Gründung aus fränkischer Zeit zurückführen ist und die Siedlung des Arn oder Arno bedeutet. Bestätigt wird dies auch durch ein gefundenes Gräberfeld und den darin befindlichen Grabbeigaben aus dem 6. Jahrhundert. Eine noch ältere Siedlung belegen zahlreiche römische Funde.
Ahrem bestand im Mittelalter aus mehreren entfernt voneinander gelegenen größeren Höfen sowie kleineren Bauernstellen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Ort zu einem Straßendorf entlang der heutigen Mühlen- und Bachstraße. Nach dem Bau der Provinzialstraße Lechenich – Derkum über Ahrem 1857 entwickelte sich die Gennerstraße zur Hauptstraße.

ahrem 1 Die Ahremer gehörten zur Bürgerschaft der Stadt Lechenich. Sie galten als „auswendige Bürger“ (Außenbürger), weil sie außerhalb der Stadtmauern wohnten. Sie waren meist Kleinbauern, die neben Grundpachten und Zehnten auch landesherrliche Steuern entrichten mussten.

Im Ort gab es zwei bedeutende Adelshöfe: Der Maximinenhof aus dem Besitz der Familien Voß, Haes und Eyll war im 17. Jahrhundert im Eigentum des Klosters St. Maximin in Köln. In der Säkularisation (Enteignung und Verkauf kirchlicher Güter unter Napoleon) wurde der Hof enteignet und verkauft. Noch heute erinnert das Maximinenkreuz am Friedhof und die Straßenbezeichnung „Am Maximinenkreuz“ an den Hof, der heute nicht mehr existiert.
Der Hermeshof war im Spätmittelalter zeitweise im Besitz einer Linie des Adelsgeschlechtes von Merode, im 15. und 16. Jahrhundert sind die Zisterzienserinnen des Klosters Sion in Köln als Eigentümer nachgewiesen. Als 1661 ein Kölner Akademiker zum Pütz den Hof erwarb und verpachtete, gingen die Pachteinnahmen bis zur Säkularisation an ein Kölner Waisenhaus. Haus und Hofgebäude sind noch erhalten.
In der Nähe des Hermeshofes liegt eine kleine Fachwerkkapelle von 1691, die zur Ehren der heiligen Apollonia errichtet worden ist.
Die erzbischöfliche Getreidemühle, die in der Säkularisation verkauft wurde, befindet sich seitdem in Privatbesitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.
Nach der Einrichtung neuer Verwaltungsbezirke unter französischer Herrschaft im Jahre 1800 blieb Ahrem bei Lechenich. Der Ort gehörte auch später zu Lechenich bis zur kommunalen Verwaltungsreform und der Bildung der Stadt Erftstadt 1969.
Mit der Intensivierung des Braunkohleabbaus Ende des 19. Jahrhunderts verdienten mehr und mehr Ahremer ihr Brot in den Gruben oder Brikettfabriken. Nebenbei betrieben sie noch Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Heute arbeiten die Ahremer wie viele andere Erftstädter Einwohner in den großen Zentren des Umlandes.
1882 erhielt Ahrem eine eigene Schule für alle Schulpflichtigen, die erst 1968 durch die Schulreform aufgelöst wurde.

ahrem 2Der Ort, der Jahrhunderte lang zur Pfarre Lechenich gehört hatte, erhielt auf vielfachen Wunsch der Bevölkerung 1891 eine eigene Kirche, die nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Franz Schmitz gebaut worden war. Die Gelder aus den Pachterträgen der Ahremer Heide verwendeten die Ahremer zum Kirchenbau. 1909 erhielten die Ahremer auch einen eigenen Friedhof und mussten ihre Toten nicht mehr auf dem Lechenicher Friedhof in Heddinghoven beerdigen.
Bei der „Ahremer Heide“ handelt es sich um ein Gemeindegut, das ursprünglich aus dem Besitz des Kölner Stiftes St. Mariengraden stammte und in der Franzosenzeit säkularisiert worden war. 1820 kauften die Haushaltsvorstände Ahrems dem preußischen Staat etwa 25 Hektar Land Heideland ab. 1860 wurde dieses Heideland in Ackerland umgewandelt und verpachtet. Zeitweise beanspruchte die Gemeinde Lechenich das Land und verpachtete es zu ihren Gunsten. Nach jahrelangem Rechtsstreit trat die Gemeinde Lechenich 1883 den Ahremern die Eigentumsrechte ab und überwies ihnen die aufgelaufene Pacht. Die Gemeinde Lechenich machte zur Auflage, dass die Ahremer Heide als unteilbares Gemeindevermögen unter der Aufsicht der Verwaltung bleiben musste.
Heute wird der Ertrag aus „Ahremer Heide“ hauptsächlich für die gemeinnützigen Vereine des Ortes verwandt. Die Verwaltung des Vermögens erfolgt über das Kuratorium Ahremer Heide“, das alle von den Haushaltsvorständen gewählt wird und aus fünf Mitgliedern besteht. Der Vorsitzende ist der Bürgermeister der Stadt Erftstadt oder ein von ihm beauftragter Vertreter.

Durch den Zuzug vieler Neubürger, die ein Drittel der heutigen Einwohner ausmachen, ist Ahrems Bevölkerung stetig gewachsen. Hatte der Ort 1801 nur 215 Einwohner, so sind es heute etwa 1.100 Einwohner (Stand 2012). Die Zugezogenen sind in die Dorfgemeinschaft integriert und beteiligen sich wie die Eingesessenen an dem regen Vereinsleben.
Die Entfernung zu Lechenich ist durch die Umgehungsstraße B265N etwas größer geworden, da durch diese Straße Jahrhunderte alte Verbindungswege zwischen Ahrem und Lechenich wie der „Ahremer Lichweg“ und die „Heubahn“ abgeschnitten wurden.

(Gekürzte Fassung der Ortsgeschichte „Ahrem“ von Hanna Stommel in: Denkmäler in Erftstadt. Aktualisiert 2007)