In vielen kleinen und mittleren Städten kämpft der mittelständische Handel ums blanke Überleben. Zum einen erhöht sich der Wettbewerbsdruck durch die fortschreitende Ausweitung des filialisierten Einzelhandels und auf der anderen Seite hat die ständig wachsende Mobilität der Bevölkerung zu einer zunehmenden Abwanderung der Kaufkraft in höherrangige Zentren geführt. Immer mehr Gemeinden versuchen, den lokalen Einzelhandel durch die Einrichtung virtueller Marktplätze zu unterstützen.
Die Stadt Erftstadt wollte wissen, inwiefern eine solche Lösung dem Handel in Erftstadt eine sinnvolle Hilfe sein kann. Aus diesem Grund beauftragte die Stadt im Oktober 2001 die BBE-Unternehmensberatung GmbH, Köln, mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zum Thema "Virtueller Marktplatz Erftstadt". Ziel war es festzustellen, ob die Implementierung eines solchen "Virtuellen Marktplatzes" in Erftstadt unter dem Aspekt der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Kundenbindung sinnvoll und möglich ist. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie werden im folgenden kurz vorgestellt.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Das Internet ist kein Allheilmittel und der Aufbau eines virtuellen Marktplatzes ist kein Selbstläufer. Nur wenn der örtliche Einzelhandel mitzieht, kann das Projekt ein Erfolg werden. Aus diesem Grund war es sehr wichtig, zunächst einmal die grundlegende Struktur des Einzelhandels in Erftstadt zu analysieren. So wurden alle Einzelhandelsgeschäfte nach Lage und Branche erhoben.
Des weiteren wurde eine Umfrage unter den Händlern durchgeführt, um im Vorfeld die Akzeptanz für ein solches Projekt zu prüfen. Die Umfrage unter den Händlern hat gezeigt, dass die Grundhaltung der Händler in Erftstadt gegenüber dem Internet als "zurückhaltend" bis "vorsichtig ablehnend" zu bezeichnen ist. Lediglich 42% der Händler in Erftstadt verfügen zum Zeitpunkt der Untersuchung über einen Internetanschluss. Im Bundesdurchschnitt sind es über 60%.
Allerdings bewegt sich der Wert im Rahmen anderer Gemeinden gleicher Größenordnung.
Für den wichtigsten Bestandteil eines zukünftigen "Virtuellen Marktplatzes Erftstadt" halten die Händler lokale und regionale Informationen. Dieser Bereich wurde von nahezu allen Befragten als "wichtig" bis "sehr wichtig" eingestuft. Aber auch ein lokaler/regionaler Veranstaltungskalender, lokale Dienstleistungsangebote und allgemeine Nachrichten sind nach Meinung der Befragten Pflichtbestandteile eines virtuellen Marktplatzes. Dagegen erhalten Tourismusangebote, Virtuelles Rathaus und die Möglichkeit zum O n l i n e -E i n k a u f nur deutlich weniger Zustimmung.
Ein lokaler Internetmarktplatz ist für die Händler in erster Linie also ein Marketinginstrument und dient erst in zweiter Linie als neuer Vertriebskanal. Auch hinsichtlich der Investitionsbereitschaft sind die Händler eher zurückhaltend. Rund 64 % der Befragten sind bereit, bis zu 25 € pro Monat zu bezahlen, 36 % sind überhaupt nicht bereit für die Teilnahme zu zahlen. Verglichen mit der von den BBE-Experten aufgestellten Rechnung für das System inkl. Hard- und Software, Konzeption, Design, Programmierung, Implementierung und Personalkosten übersteigen die Kosten die Kalkulationsvorstellungen der Händler um ein Vielfaches.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzungsintensität im Bezug auf das Internet unter den Endverbrauchern der Region. In ihren Untersuchungen geht die BBE davon aus, dass es in Erftstadt rund 16.000 Internetnutzer im Alter zwischen 14 und 69 gibt. Bezüglich des Online-Kaufs zeigen bundesweite Erfahrungen, dass der Kunde gegenüber dem Online-Shopping noch gewisse Ressentiments hat. So nutzen die meisten "Surfer" das Internet hauptsächlich zur Informationsgewinnung. Auf Basis dieser Erfahrungen geht die Studie in einer optimistischen Einschätzung von einem anfänglichen Umsatzniveau von 0,5 Mio. € für einen "Virtuellen Marktplatz Erftstadt" aus.
Trotz der eher ernüchternden Zahlen empfehlen die Berater der BBE den schrittweisen Aufbau eines virtuellen Marktplatzes für die Stadt Erftstadt. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bisher für die Region kein entsprechendes Angebot gibt.
Weitere Informationen zu diesem Projekt:
Wirtschaftsförderung der Stadt Erftstadt
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